Immer noch keine Zeit…

… ja, tragischerweise ist das wirklich so. Oder vielleicht ist es eben auch nicht tragisch. oder vielleicht ist es eher eine Frage der Neugewichtung. Oder es geht um die fehlende Schreibmotivation. Immerhin, ein Update muss mal sein:

Der Nordsee-Urlaub voller Yoga war schön und verrückt. Morgens um fünf vor 7 Atemübungen, danach Meditation. Den anschließenden „Satsang“ mit Mantras haben wir auch mal in Augenschein genommen, aber so sehr hat mich der esoterisch-transzendente-Energiefluss-Lebensphilosophie-Bereich dann doch nicht gepackt. Yoga im körperlichen Sinn wurde 1-2 mal täglich für 90 Minuten praktiziert, wobei es für mich meistens bei 90 geblieben ist. Auf einmal so viel Bewegung war für mich alten Krankenhaushasen dann doch sehr anstrengend. Insgesamt wurden wir jedenfalls gut durchgelüftet und -gespült. Die weite Landschaft passt dort hervorragend zur geistigen „Weite“, die man empfindet. Viel Zeit zum Denken. So viel zum nicht-esoterischen. Leute teilweise skurril, größtenteils sehr sympathisch, Essen gut. Lecker Tee. Bericht abgehakt.

Seit einer Woche hab ich ’nen Minijob auf dem Weihnachtsmarkt, Promotion und Information für Dunital e.V., einem Bonner Verein, der sich um die Inklusion behinderter Menschen bemüht. Meine erste Schicht lief etwas zäh, aber das Wetter war an dem Tag auch echt beschissen und nicht sehr weihnachtsmarkttauglich. Auch Nachhilfe gebe ich mittlerweile wieder, Abiturvorbereitung Deutsch und Geschichte, Text- bzw. Quellenanalyse. Macht viel Spaß. Die Bemühungen um etwas Arbeit waren insgesamt also sehr erfolgreich. Leute teilweise skurril, größtenteils sehr sympathisch. Essen weihnachtsmarktmäßig. Kein Tee.

An der Masterarbeitsfront tut sich bei mir noch nicht viel, bei meiner Freundin aber umso mehr, auch ich leiste da einen kleinen Beitrag, indem ich in Fließbandfertigung Diagramme zeichne, welche die Freundschaftsbeziehungen innerhalb einer Schulklasse darstellen. Komische statistische Datengeschichte von Psychologen.

Die Vox-Serie oder irgendeinen Eintrag meiner Filmliste habe ich noch nicht geschafft. Bericht abgehakt.

Irgendwie habe ich im Tausch gegen ein aktives Leben mein Lese- und Schreibmojo eingebüßt, hoffentlich kehrt es bald zurück, ohne dass ich dafür wieder krank werden muss. Abgehakt.

Endlich keine Zeit…

…, endlich volles Programm und Alltagsstress!  Dieses paradox anmutende Gefühl überkam mich in den vergangenen Wochen immer wieder. Wie gut es doch tat, mal für viele Dinge – zum Beispiel 1jahr1monat – keine Zeit zu finden, weil jede Menge los war. Das fühlt sich normal an. Ich fühle mich  normal, geschäftig, patent.

to-do-list

Da wäre zunächst der ziemlich aktiv gestaltete Urlaub im Yogazentrum an der Nordsee. Von dort aus direkt weiter zum Hundeseminar in Solingen, wo es einige Hausaufgaben mit auf den Weg gab. Dann Heiner-Müller-Konferenz in Aachen, nebst Abendessen mit allen Teilnehmern, Theaterbesuch, Networking mit klugen Menschen. Dann noch eine Menge Handwerker bei uns in der Wohnung zu betreuen. Dazwischen startete zudem meine Physiotherapie, ich gebe wieder Nachhilfe, hatte ein Bewerbungsgespräch. Außerdem noch dieses Freundschaftsding, soziale Aktivitäten. Und die letzte Seminararbeit ist endlich endlich endlich abgegeben. Nach 2 Jahren. Aber sehr erfolgreich und in der Sprechstunde war ich auch schon, wurde sehr gelobt und fühle mich dadurch noch kompetenter. Wie ein gesunder Mensch halt.

Für die meisten ist das wohl gar kein straffes Programm. Man kommt damit nicht ansatzweise auf das Tagespensum einer normal arbeitenden Person, die im regulären Berufsalltag steht – und darüber hinaus ja ihrerseits auch viele andere Dinge zu tun hat. Für mich aber ist der Grad meiner Beschäftigung ein unglaublich starker Kontrast zum vergangenen Jahr. So richtig busy. Beim Bewerbungsgespräch (nur ein Minijob, nichts weltbewegendes) zum Beispiel ging es so konkret um mich als denjenigen, der etwas leisten kann. Nicht  als Patient, um den sich anderen kümmern, sondern ich selbst bin gefordert. Das ist neu.

Genauso bei der Müller-Konferenz, wo ich minimale Aufgaben übernommen hatte. Nur ein paar Redner anmoderieren. Aber immerhin, mal wieder vorne stehen, sprechen vor einer Gruppe. 3-5 Minuten  Ruhm. Außerdem tut es mir richtig gut, mich intellektuell zu betätigen, komplexere Sachverhalte nachzuvollziehen. Das habe ich, auch wenn mir das jetzt erst klar wird, vermisst. Die Tagung hat mich wieder ein wenig angefixt, vorsichtig auf meine eigene Abschlussarbeit zu schielen und die dafür nötigen Denkprozesse ganz langsam anzustoßen. Da bewegt sich was im Hirn.

Den größten Anregungsgehalt hatte die letzte Zeit aber für meine Körperwahrnehmung und das Thema Bewegung insgesamt. Da passiert im Moment sehr viel Gutes mit mir und ich kann mich verhältnismäßig oft aufraffen, erstens überhaupt in die Gänge zu kommen und zweitens gerade die Dinge zu tun, die mir schwer fallen, ohne es als reine Qual zu empfinden. Meistens zumindest.