Schwarz auf weiß…

20151105_092156… habe ich jetzt meine gesunden Blutwerte. Die verschiedenen Zellen sind nach Labor vom 03.11. im Normalbereich, alle Blutplättchen haben zudem eine regelgerechte Größe. Ja, deren Fläche wird tatsächlich – wie auch immer – gemessen und kann Aufschluss über Blutkrankheiten geben. So sind zum Beispiel bei verschiedenen Leukämien verschiedene Zellen vergrößert. Aber nicht bei mir! 🙂

Mein Onkologe gab mir bei der Besprechung der tollen PET/CT-Ergebnisse von Freitag noch eine wichtige Einschätzung (auf Nachfrage): Mit einer Wahrscheinlichkeit von 85-90% bin ich dauerhaft geheilt. Die Wahrscheinlichkeit eines Rezidiv (so heißt Rückfall auf Onkologisch) beim t-lymphoblastischen T-Zell-Lymphom liegt generell zwischen 10 und 20 Prozent, mein Verlauf mit kompletter Remission zu einem so frühen Zeitpunkt innerhalb der Therapie lässt aber auf noch geringere Wahrscheinlichkeit schließen. Das sind wirklich mal wohltuende Aussichten. Über den Ablauf der Nachsorge weiß ich jetzt auch besser Bescheid. 2 Jahre lang gibt es Kontrollen alle 3 Monate, Blutbild und Ultraschall. Das heißt dann für mich: In der Klinik antanzen, viel warten, und mit unspektakulären Nachrichten wieder nach Hause! So seh‘ ich das.

Jetzt kann man irgendwie langsam etwas planen. So ein Leben haben, Ihr kennt das vielleicht. Termine haben. Sich gestresst fühlen. Sich weniger Termine wünschen, um wieder mehr von diesem Leben zu haben. Ihr kennt das vielleicht. Das ist noch ziemlich verrückt, aber auch ein gutes Gefühl. Es stehen Projekte an wie Physiotherapie, Urlaub ab Samstag, ein bisschen wieder ans Jobben kommen. Und natürlich all das, was ich mit 1jahr1monat noch vorhabe. Und dieses und jenes. Und dann die Masterarbeit. Das wird schon etwas schwieriger, in diesen ganzen akademischen Betrieb und das wissenschaftliche Schreiben wieder reinzukommen. Aber schaff ich auch schon. Hat jemand einen Tipp? Kommentare auf jeder erdenklichen Plattform erwünscht.

Außerdem noch ein kleiner Teaser: Morgen Abend Beim nächsten Mal werde ich Euch alle mitnehmen auf die längste und gefährlichste Odyssee, die ihr Euch vorstellen könnt: Die Reise zum CT!

Der Ring wurde ins Feuer geworfen…

… das Paket abgeliefert, der Todesstern zerstört, der Drops gelutscht: Soeben telefonierte ich mit einer (tatsächlich netten und zugewandten) Ärztin aus der Nuklearmedizin, wo ich vorgestern – nach einer langen Odyssee durch die Wirren des Uniklinikums, von der noch zu berichten sein wird – mein abschließendes PET/CT hatte: Keine Auffälligkeiten. Ich bin krebsfrei.

Was ist ein PET/CT? Ich kenn‘ nur CT, das heißt doch Computertomographie. Hat das jetzt was mit Haustieren zu tun?

Nein. PET steht für Positronen-Emissions-Tomographie. Diese kann als bildgebendes Verfahren die Verteilung einer schwach radioaktiven Substanz im Körper sichtbar machen (bei mir war es eine spezielle Glukose). Diese Verteilung gibt Aufschluss über aktive Körperregionen. Lebende Tumorzellen als besonders schnell wachsende und aktive Zellen werden dabei durch ein helles Leuchten in Regionen sichtbar gemacht, wo dieses Leuchten bei gesunden Menschen nicht hingehört. So was wie der Herzmuskel zum Beispiel leuchtet auch, aber mit diesem Leuchten rechnet man. Und wenn man dieses Verfahren mit einem normalen CT kombiniert, das zeitgleich läuft, erhält man sehr genaue und gute Bilder.

Wie läuft sowas ab? Legt man sich etwa in einen Kühlschrank während jemand in der Umgebung einen Atomtest macht? Das hab ich mal in einem albernen Film über einen Archäologen in Rente gesehen. Der Typ aus Transformers war auch da und hatte ’ne Lederjacke an.

Nein. Zunächst mal darf man sechs Stunden vor seinem Termin nichts essen. Dann findet man sich in der nuklearmedizinischen Abteilung ein. Dort wird man, wie bei nahezu jeder Untersuchung, zunächst von einem Arzt über die möglichen Risiken aufgeklärt. Wie bei jeder Untersuchung kann man theoretisch sterben. Diese Aufklärung muss man der Ärztin unterschreiben, womit man einwilligt, das Verfahren durchführen zu lassen. Anschließend messen sie dort den Blutzucker. Wenn damit alles in Ordnung ist, muss man sich flach hinlegen und bekommt einen kleinen Venenzugang gelegt. Die Ärztin oder der Arzt spritzen den schwach radioaktiven Zucker und machen dann jedesmal (das steht wohl im Protokoll) den Witz: „Jetzt bringe ich Sie zum strahlen.“. Nun heißt es, 30 Minuten nicht sprechen und nicht bewegen, damit die Substanz sich ordnungsgemäß verteilen kann. Danach trinkt man noch über 30 Minuten verteilt normales Kontrastmittel für das CT (zumindest je nachdem, welche Teile des Körpers untersucht werden). Das ist, glaubt es mir, sehr sehr eklig. Putzmittel mit Anis, ich schwörs! Und dann endlich kommt man für ca. 20 Minuten in die Röhre, ohne Bratschlauch.

Und dann muss da Soße rein?!

Nein!

Na gut. Und gab es da bei Dir was spannendes zu sehen?

Nein. Nichts. Und das ist sehr gut, denn es bedeutet, dass nichts mehr böse leuchtet. Vor sechs Monaten hatten sie noch ein unspezifisches Leuchten ausgemacht, dieses konnte aber jetzt eindeutig meiner normalen Herzmuskelaktivität zugeordnet werden.

Heißt dass, Du bist jetzt für immer geheilt?

Nein, das kann man leider nicht mit absoluter Sicherheit sagen, es besteht die Möglichkeit eines Rezidivs, also eines Rückfalls. Erfahrungen mit dem T-lymphoblastischen T-Zell-Lymphom (auch dazu werde ich mich demnächst noch genauer äußern und versuchen, ein paar Informationen zusammenzutragen) lassen an dieser Stelle allerdings auf eine hohe Chance hoffen, tatsächlich dauerhaft geheilt zu sein.

Schön! Das freut mich für Dich!

Danke (-: