Es gibt wieder Blutwerte… und Blogbeiträge

Ja, richtig. Ich mache endlich mal weiter. Irgendwie ist die Welt mit dem Altern so viel komplexer geworden (mehr dazu demnächst hier), dass selbst ich, der eigentlich keinen so wirklich richtig richtig logischen Grund dafür hat, dennoch immer was anderes zu tun habe. Worin auch immer dieses Andere besteht. Leider war ich schon immer der Typ, der mit Freude und Elan Sachen (Erwachsenendeutsch: „Projekte“) anfängt und dann nicht beendet sondern liegenlässt und sich etwas Neuem zuwendet. Furchtbar. Aber diesmal nicht! Immerhin gibt es heute eine richtige Neuigkeit als Anlass, mal wieder  von mir hören zu lassen, zur Not auch in kleiner Form, die ja bekanntlich als große Kunst gilt. Das ist sicher ganz gut, um wieder reinzukommen. Eventuell gestalte ich meine Beiträge in Zukunft nur noch als kongeniale Aphorismen.

Am Montag hatte ich meine erste reguläre Nachsorgeuntersuchung. Diese werden in den nächsten zwei Jahren im 3-Monats-Rhythmus (ohne Autokorrektur auf Anhieb richtig geschrieben – pew pew) durchgeführt und bestehen, sofern ein fieser Verdacht nichts anderes anzeigt, aus Blutuntersuchungen und dem Betrachten meiner Lymphknoten im Ultraschall. Außerdem ist wohl die Größe der Milz ein Indikator für Veränderungen, da sie mit dem lymphatischen System in Verbindung steht. Das hab ich gestern gelernt. Meine Milz ist mit 13cm noch leicht vergrößert, das ist aber durchaus okay und könnte als Folge meiner Erkrankung auch so bleiben. Bei 20cm aufwärts wird’s wohl bedenklich.

Bei meiner Ankunft war zunächst mal kein Raum parat, weswegen ich mich erstmals in den normalen Wartebereich der Klinikambulanz begeben sollte – schön warm eingepackt in die übliche Schutzkleidung: Blaue Handschuhe, grüner Kittel, weiß-grüner Mundschutz. Auf die Haube durfte ich verzichten, dabei besitze ich doch sogar wieder Haare … Manch einer behauptet gar, es seien mehr als je zuvor.

Während ich aufs Zimmerchen wartete die erste Überraschung: Das Wlan der Uniklinik ist jetzt plötzlich ganz normal für Patienten zugänglich 🙂 Und zwar nicht nur im Wartebereich, sondern einfach überall. Das können die Ärzte jetzt auch nutzen, deren eigene Verbindung ist nämlich nach wie vor scheiße, wie man mir sagte. Anscheinend wird in der Uniklinik, seitdem ich davon nichts mehr habe, so manches verbessert. Na super, gerade rechtzeitig. Wenn das so weitergeht, kommen bald genießbares Essen, sinnvolle Belüftung/Heizung und gute Organisation. Dafür würde auch sprechen, dass ich nicht sehr lang ausharren musste und alles ziemlich schnell ging. Mein Blut war fix abgenommen und das Labor arbeitete anscheinend effizient an diesem Tag. Bei mir sind alle Werte super. Körperliche Untersuchung unauffällig. Ultraschall auch. Punkt.

 

 

Schwarz auf weiß…

20151105_092156… habe ich jetzt meine gesunden Blutwerte. Die verschiedenen Zellen sind nach Labor vom 03.11. im Normalbereich, alle Blutplättchen haben zudem eine regelgerechte Größe. Ja, deren Fläche wird tatsächlich – wie auch immer – gemessen und kann Aufschluss über Blutkrankheiten geben. So sind zum Beispiel bei verschiedenen Leukämien verschiedene Zellen vergrößert. Aber nicht bei mir! 🙂

Mein Onkologe gab mir bei der Besprechung der tollen PET/CT-Ergebnisse von Freitag noch eine wichtige Einschätzung (auf Nachfrage): Mit einer Wahrscheinlichkeit von 85-90% bin ich dauerhaft geheilt. Die Wahrscheinlichkeit eines Rezidiv (so heißt Rückfall auf Onkologisch) beim t-lymphoblastischen T-Zell-Lymphom liegt generell zwischen 10 und 20 Prozent, mein Verlauf mit kompletter Remission zu einem so frühen Zeitpunkt innerhalb der Therapie lässt aber auf noch geringere Wahrscheinlichkeit schließen. Das sind wirklich mal wohltuende Aussichten. Über den Ablauf der Nachsorge weiß ich jetzt auch besser Bescheid. 2 Jahre lang gibt es Kontrollen alle 3 Monate, Blutbild und Ultraschall. Das heißt dann für mich: In der Klinik antanzen, viel warten, und mit unspektakulären Nachrichten wieder nach Hause! So seh‘ ich das.

Jetzt kann man irgendwie langsam etwas planen. So ein Leben haben, Ihr kennt das vielleicht. Termine haben. Sich gestresst fühlen. Sich weniger Termine wünschen, um wieder mehr von diesem Leben zu haben. Ihr kennt das vielleicht. Das ist noch ziemlich verrückt, aber auch ein gutes Gefühl. Es stehen Projekte an wie Physiotherapie, Urlaub ab Samstag, ein bisschen wieder ans Jobben kommen. Und natürlich all das, was ich mit 1jahr1monat noch vorhabe. Und dieses und jenes. Und dann die Masterarbeit. Das wird schon etwas schwieriger, in diesen ganzen akademischen Betrieb und das wissenschaftliche Schreiben wieder reinzukommen. Aber schaff ich auch schon. Hat jemand einen Tipp? Kommentare auf jeder erdenklichen Plattform erwünscht.

Außerdem noch ein kleiner Teaser: Morgen Abend Beim nächsten Mal werde ich Euch alle mitnehmen auf die längste und gefährlichste Odyssee, die ihr Euch vorstellen könnt: Die Reise zum CT!